
Pressemitteilung Die Linke Kassel
Die Ergebnisse der Einschulungsuntersuchungen in Kassel zeigen: Zwischen wohlhabenden und ärmeren Stadtteilen gibt es erhebliche Unterschiede. Gesundheit und eine altersgerechte Entwicklung ist leider mehr denn je Sache des Geldbeutels.
Neben Feinmotorik und Sprache sind auch die Ergebnisse zum Thema Gewicht besorgniserregend: Im Durchschnitt sind 13 Prozent der Kinder in Kassel zu schwer. In Wesertor, Waldau und in Nord‐Holland sind es fast 20 Prozent. Das sind eher sozial benachteiligte Stadtteile. Dort sind mehr Menschen arbeitslos oder auf Sozialleistungen angewiesen als im Durchschnitt. Von Übergewicht sind in wohlhabenden Stadtteilen deutlich weniger Kinder betroffen: Knapp 6 Prozent etwa in Wilhelmshöhe und 2,7 Prozent im Vorderen Westen.
Myriam Kaskel-König, Mitglied im Kreisvorstand der Linken Kassel und selbst alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, sagt dazu: „Deshalb fordert die Linke ja auch, dass in allen Schulen und KiTas ein gesundes kostenloses Mittagessen angeboten wird. Und zwar ohne umständliche Anträge und Sonderbehandlung. Eltern, die das wollen und können, sollen freiwillig und nach Selbsteinschätzung zahlen. Und was fehlt, zahlt dann die Stadt. Ich weiß, dass es ziemlich viel Wissen, Geduld und Geld braucht, um Kinder gesund zu ernähren. Im Supermarkt sind Süßigkeiten auf Kinderhöhe und überall wird Ungesundes angepriesen. Viel Zeug, das extra für Kinder beworben wird, ist voller Zucker. Da brauchen Eltern schon ein gutes Umfeld und viel Verständnis, damit gute Ernährung klappt. Außerdem ist gesundes Essen oft so teuer, dass die Haushaltkasse das nicht stemmen kann, wenn man viele Münder satt bekommen muss. Dazu kommt, dass es in allen Stadtteilen niedrigschwellige und kostenlose wöchentliche Sportangebote für die Kids braucht, damit Bewegung und Sport einfach, gut und unabhängig vom Geldbeutel der Eltern verfügbar wird.“
Violetta Bock, Stadtverordnete im Stadtentwicklungsausschuss meint: „Es sind gerade die ärmeren Familien, die an großen Straßen wohnen, in zu kleinen Wohnungen und ohne Garten. Da braucht es viel mehr Grünanlagen und gute Spielplätze, damit Kinder in Bewegung kommen. Die Sportangebote in Schulen und KiTas sind ja sehr eingeschränkt. Ich finde es wirklich ungerecht, dass die Stadt gerade 9 Millionen für den Ausbau eines Gründerzentrums locker macht und sogar die Dachterasse bezahlt, aber für die Begrünung in dicht bewohnten Stadtteilen ist kein Geld da. Da wirkt es fast zynisch, wenn an die Eltern appelliert wird, mit dem Nachwuchs mehr draußen zu toben und zu spielen.“
Ingrid Häußer-Domes, ehrenamtliches Magistratsmitglied für die Linke, ergänzt: „Dazu kommt noch, dass die Versorgung mit Kinderärzt*innen und Kindertherapeut*innen sehr ungleich ist. In Stadtteilen, in denen der Bedarf am größten ist, gibt es am wenigsten Hilfe. Da muss die Stadt mehr tun. Wir brauchen dringend kommunale medizinische Versorgungszentren und kultursensible Hilfen für Familien, damit alle Kinder gut unterstützt werden können und körperlich und seelisch gesund heranwachsen.“
Atilla Sarikaya, StaVo-Kandidat und Kreisvorstandsmitglied stellt fest: „Klar kann die Kommune nicht die krasse Ungleichheit und Ungerechtigkeit in diesem Land ausbügeln. Da wachsen die Milliardenvermögen ins Unermessliche, die großen Lebensmittelkonzerne zum Beispiel verdienen fett an ungesunden Nahrungsmitteln und täuschender Werbung, aber die Regierung weigert sich, wenigstens eine Zuckersteuer einzuführen. Jetzt wird noch mehr Druck gemacht auf Arme, und wenn die Eltern Sorge und Stress haben, wirkt sich dies auf die Kinder und die ganze Gesellschaft aus. Jetzt wird auch noch Geld für die Integrationskurse gestrichen. Wie sollen sich denn Menschen, die ankommen, hier zurecht finden!? Und wenn die Eltern keinen Zugang zur deutschen Sprache bekommen, dann ist es für Kinder auch schwer. Hier wird die gesellschaftliche Entwicklung torpediert. Dabei müssten endlich die Überreichen gerechter besteuert werden, was auf Bundes- und Landesebene möglich wäre, damit soziale Probleme gelöst werden können – auch und gerade in unserer Stadt. Die Linke auf Bundesebene hat letzte Woche vorgestellt wie das gehen kann.“
Die Studie zur Vermögenssteuer:
https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.998454.de/diwkompakt_2026-211.pdf

